Atemübungen im Yoga

Atemübungen im Yoga, Nikola Knorr 2016


Pranayama auf der Grundlage der Sutren des Patanjali, 2.49, 2.50, 2.51

2.49: Pranayama wird verstanden als das Unterbrechen unbewusster Atemmuster.

Warum sollen die unbewussten Atemmuster unterbrochen werden? Patanjali sieht den Zusammenhang zwischen Körper, Atem und Geist. Ist der Geist in Unruhe, sind auch das Fühlen, der Körper, der Atem in Unruhe.

Normal ist der Atem eher flach, oberflächlich, unbewusst, gestört. Insofern ist Pranayama schon eine Unterbrechung dieser alltäglichen eher unruhigen Atemqualität.

Als Voraussetzung für diese Fertigkeit sollte die Praxis von asana, Körperübungen geübt und im besten Falle beherrscht werden.

Die asana Praxis misst sich an zwei Qualitäten:

  • an Stabilität – Sthîra und
  • an Leichtigkeit – sukha

Diese Qualitäten können wir erreichen durch

  • eine passende Anstrengung – pratyatna und
  • die Reduzierung der dabei auftretenden Spannjungen – saithilya und
  • die Ausrichtung auf den fortwährend fließenden Atem – ananta (In der Mythologie bekannte Schlange, die den Kosmos trägt und dabei weich genug ist, dass sie Gott noch als Schlafstatt dienen kann.)
  • Wenn jemand so asana übt, ist er nicht so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen und hat auch gute Widerstandskraft gegenüber äußeren Einflüssen.
  • Die Übungsweise der ?sana hilft uns schon zu einem besseren Verständnis für das Atemgeschehen. Dieses Verständnis unseres Atemgeschehens ist die Grundlage für Pranayama – die Atemübungen.

Die Unterbrechung gewohnter Atemmuster geschieht, sobald wir beginnen, den Atem bewusst zu regulieren. Ziel des Pranayama ist es, Einfluss auf den Geist zu nehmen. Der Körper hat die Fähigkeit, den Atem feiner und feiner werden zu lassen. Die Pranayama Praxis wird in einem aufrechten bequemen Sitz geübt, um einen unangestrengten Atemfluss zu ermöglichen.

Pranayamaa ist aus folgenden Bestandteilen des AUSATEMs, des EINATEMs und der Verhalte dazwischen zusammengesetzt.

Zuerst nehmen wir Einfluss auf den AUSATEM, dann auf den EINATEM und dann auf die Verhältnisse zwischen AUS- und EINATEM.

Zudem nehmen wir Einfluss auf den ORT.

Nase, Kehle, Brust, Mund

Und auch die ZEIT bietet eine Möglichkeit der Einflussnahme: Länge der AUSATMUNG, der EINATMUNG und der PAUSEN dazwischen und auch in den VERHÄLTNISSEN, wobei einmal der AUSATEM länger sein kann als der EINATEM oder der EINATEM gleichlang mit dem AUSATEM ist, was einer Verlängerung des EINATEMS gleichkommt, der im natürlichen Atem in der Regel ungefähr halb so lang ist wie der AUSATEM.

Es kommt in der Übungstradition auch noch auf die Frequenz der Atemübungsfolgen an. In der Tradition wählt Desikachar (Yogameister in der Tradition von Krishnamacharia) jeweils 12 Wiederholungen für ein Pranayama. Es sei denn, es wird zu einer bestimmten Erkrankung geübt, dann können sich die Wiederholungen sehr steigern, um eine Wirkung zu erzielen. (Zum Beispiel bei der Behandlung von Bluthochdruck.)

Welche Erfahrungen machen wir mit dem regelmäßigen Üben eines Pranayama:

  • Pranayamaa ist der Ort für die Vorbereitung der Meditation,
  • Pranayama beruhigt den Geist,
  • Pranayama wirkt auf das vegetative Nervensystem und kann Krankheiten lindern, (Bluthochdruck in Verbindung mit ?sana als Vorbereitung für Pranayama; Beruhigung der Nerven und der Gedanken, Anregung bei Trägheit in Verbindung mit asana, Linderung z.B. von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, etc.)
  • Pranayama hat meditativen Charakter,
  • Pranayama ist aktiver als Meditation